Machine Learning: Funktionsweise, Anwendungen und Lernen

Keyfacts

  • Definition: Machine Learning nutzt Daten, um Modelle für bestimmte Aufgaben zu trainieren, und gehört zur künstlichen Intelligenz.
  • Lernformen: Zu den grundlegenden Formen gehören Supervised Learning, Unsupervised Learning und Reinforcement Learning.
  • Anwendungen: Machine Learning wird unter anderem für Klassifikationen, Prognosen, Empfehlungen, Anomalieerkennung sowie Bild-, Sprach- und Textverarbeitung eingesetzt.
  • Grundlagen: Für die technische Arbeit mit Machine Learning sind insbesondere Programmierung, Mathematik und Statistik relevant.
  • Beruf: ML-Kenntnisse werden beispielsweise in Data Science, AI Engineering, Softwareentwicklung und Forschung eingesetzt.
  • Grenzen: Die Qualität und Zuverlässigkeit eines ML-Systems hängen unter anderem von Daten, Modellwahl, Evaluation und Einsatzbedingungen ab.

Machine Learning beziehungsweise maschinelles Lernen ist ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz. Dabei werden Modelle anhand von Daten trainiert, um Muster und Zusammenhänge zu erkennen und daraus Ergebnisse für neue Daten abzuleiten. Machine Learning wird unter anderem für Prognosen, Klassifikationen, Empfehlungssysteme sowie die Verarbeitung von Bildern, Sprache und Text eingesetzt.

Was ist Machine Learning?

Bei klassischer Programmierung werden Regeln festgelegt, anhand derer ein Computer Eingaben verarbeitet. Beim Machine Learning werden dagegen Modelle mithilfe von Daten trainiert, um relevante Muster und Zusammenhänge für eine bestimmte Aufgabe zu erfassen.

Ein einfaches Beispiel ist die Erkennung unerwünschter E-Mails: Statt sämtliche möglichen Merkmale einer Spam-Nachricht als feste Regeln zu programmieren, kann ein Modell anhand bereits klassifizierter Beispiele trainiert werden und anschliessend neue Nachrichten einordnen.

Machine Learning ist damit ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz (KI), aber nicht mit KI insgesamt gleichzusetzen.

Wie funktioniert Machine Learning?

Wie ein Machine-Learning-System entwickelt wird, hängt von Aufgabe und Verfahren ab. Vereinfacht lassen sich einige grundlegende Schritte unterscheiden:

  • Daten: Geeignete Daten werden gesammelt, ausgewählt und für die jeweilige Aufgabe aufbereitet.
  • Training: Ein Algorithmus passt die Parameter eines Modells anhand der Trainingsdaten an.
  • Evaluation: Mit bisher nicht für das Training verwendeten Daten wird geprüft, wie gut das Modell auch mit bisher unbekannten Daten funktioniert.
  • Inferenz: Das trainierte Modell verarbeitet neue Eingaben und erzeugt daraus beispielsweise eine Klassifikation oder Prognose.
  • Überwachung: Im praktischen Einsatz sollte geprüft werden, ob das Modell unter realen und möglicherweise veränderten Bedingungen weiterhin geeignet funktioniert.

Training und Inferenz sind nicht dasselbe: Beim Training wird ein Modell anhand von Daten angepasst. Bei der Inferenz nutzt das bereits trainierte Modell neue Eingaben, um daraus Ergebnisse zu erzeugen.

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Welche Arten von Machine Learning gibt es?

Zu den grundlegenden Lernformen gehören Supervised Learning, Unsupervised Learning und Reinforcement Learning.

  • Supervised Learning: Beim überwachten Lernen wird ein Modell anhand von Trainingsdaten mit bekannten Zielwerten oder Labels trainiert. Typische Aufgaben sind Klassifikation und Regression – beispielsweise die Einordnung von E-Mails oder die Prognose eines Wertes.
  • Unsupervised Learning: Beim unüberwachten Lernen sind keine entsprechenden Zielwerte vorgegeben. Das Modell soll Strukturen oder Muster in Daten erkennen, beispielsweise ähnliche Datensätze zu Gruppen zusammenfassen.
  • Reinforcement Learning: Ein Agent interagiert mit einer Umgebung und erhält für seine Aktionen Belohnungssignale. Ziel ist es, eine Strategie zu lernen, die die Belohnung über die Zeit maximiert.

Daneben gibt es weitere Lernformen wie Semi-supervised und Self-supervised Learning. Letzteres wird unter anderem beim Training moderner Sprachmodelle eingesetzt.

Was unterscheidet KI, Machine Learning, Deep Learning und Generative KI?

Künstliche Intelligenz ist der Oberbegriff. Machine Learning ist ein Teilgebiet der KI, bei dem Modelle anhand von Daten trainiert werden. Deep Learning ist wiederum ein Teilgebiet des Machine Learning und nutzt mehrschichtige künstliche neuronale Netze.

Generative KI bezeichnet KI-Systeme, die neue Inhalte wie Texte, Bilder, Audio, Video oder Code erzeugen können. Viele moderne generative Systeme basieren auf Machine Learning und insbesondere auf Deep Learning.

Machine Learning und Generative KI sind deshalb nicht dasselbe. Machine Learning umfasst zahlreiche Verfahren und Aufgaben, die nicht auf die Erzeugung neuer Inhalte ausgerichtet sind – beispielsweise Klassifikation, Prognosen oder Anomalieerkennung.

Was kann man mit Machine Learning machen?

Machine Learning eignet sich für unterschiedliche Aufgaben, bei denen Daten genutzt werden, um Muster zu erkennen oder Ergebnisse für neue Eingaben abzuleiten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Klassifizieren: Daten oder Inhalte bestimmten Kategorien zuordnen.
  • Prognostizieren: unbekannte oder zukünftige Werte anhand vorhandener Daten schätzen.
  • Anomalien erkennen: ungewöhnliche Muster oder Abweichungen identifizieren.
  • Empfehlungen erzeugen: Inhalte, Produkte oder andere Optionen anhand vorhandener Informationen auswählen.
  • Bilder analysieren: Objekte, Strukturen oder Muster in Bilddaten erkennen.
  • Sprache und Text verarbeiten: beispielsweise Texte klassifizieren oder Sprache analysieren.
  • Prozesse unterstützen: Muster in Daten erkennen und damit datenbasierte Entscheidungen unterstützen.

Solche Verfahren werden unter anderem in Medizin, Industrie, Finanzwesen, Handel und digitalen Diensten eingesetzt. Welche Methode geeignet ist, hängt von der konkreten Aufgabe, den verfügbaren Daten und den Anforderungen an das Ergebnis ab.

Wo liegen die Grenzen von Machine Learning?

Machine-Learning-Modelle liefern nicht automatisch richtige oder objektive Ergebnisse. Ihre Leistungsfähigkeit hängt von mehreren Faktoren ab.

  • Datenqualität: Unvollständige, fehlerhafte oder nicht repräsentative Trainingsdaten können die Ergebnisse beeinträchtigen.
  • Overfitting: Ein Modell kann sich zu stark an Trainingsdaten anpassen und dadurch bei neuen Daten schlechter funktionieren.
  • Bias: Verzerrungen können unter anderem durch Trainingsdaten, Datenauswahl, Modellierung oder den Einsatzkontext entstehen.
  • Erklärbarkeit: Wie nachvollziehbar ein Ergebnis ist, hängt vom verwendeten Verfahren ab. Komplexe Modelle können schwerer interpretierbar sein.
  • Kausalität: Ein statistischer Zusammenhang, den ein Modell erkennt, beweist nicht automatisch eine Ursache-Wirkungs-Beziehung.
  • Veränderte Bedingungen: Ändern sich Daten oder reale Einsatzbedingungen, kann die Qualität eines Modells nachlassen.

Die Qualität eines Machine-Learning-Systems hängt deshalb nicht allein vom Algorithmus ab, sondern auch von Trainingsdaten, Modellwahl, Evaluation und den Bedingungen des späteren Einsatzes.

Wie kann man Machine Learning lernen?

Machine Learning lässt sich je nach Ziel über Selbststudium und praktische Projekte, Kurse und Lehrgänge, Hochschulweiterbildungen oder ein Bachelor- beziehungsweise Masterstudium erlernen. Entscheidend ist, wie tief man Modelle verstehen, anwenden oder selbst entwickeln möchte.

Für einen ersten Einblick können Grundlagenkurse oder praktische Übungen ausreichen. Wer Machine Learning beruflich anwenden möchte, kann die Kenntnisse über spezialisierte Kurse oder eine KI-Weiterbildung vertiefen.

Für eine umfassende wissenschaftliche und technische Ausbildung kommen Studiengänge in Artificial Intelligence, Informatik, Data Science oder verwandten Fachrichtungen infrage. Einen Überblick über entsprechende akademische Bildungswege bietet Artificial Intelligence Studium in der Schweiz.

Muss man programmieren können, um Machine Learning zu lernen?

Für ein grundlegendes Verständnis von Machine Learning sind Programmierkenntnisse nicht zwingend erforderlich. Wer Modelle selbst entwickeln, trainieren und evaluieren möchte, benötigt jedoch in der Regel Programmierkenntnisse sowie mathematische und statistische Grundlagen.

In der Praxis wird häufig Python verwendet, beispielsweise zusammen mit Bibliotheken und Frameworks wie scikit-learn, PyTorch oder TensorFlow. Auch Jupyter wird häufig für exploratives Arbeiten und Experimente eingesetzt.

Die erforderliche mathematische Tiefe unterscheidet sich ebenfalls: Wer Modelle technisch entwickelt, benötigt typischerweise mehr Kenntnisse in Statistik, Wahrscheinlichkeit und linearer Algebra als jemand, der Machine-Learning-Systeme in einem Fachgebiet anwenden oder beurteilen möchte.

Machine Learning lernen: passende Bildungsangebote

Was kann man beruflich mit Machine Learning machen?

Machine Learning ist ein Fachgebiet beziehungsweise eine Kompetenz und kein einzelner Beruf. Kenntnisse darin werden in unterschiedlichen technischen, analytischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten eingesetzt.

  • Machine Learning Engineering
  • Data Science
  • AI Engineering
  • Softwareentwicklung mit ML-Komponenten
  • Data- und ML-Engineering beziehungsweise MLOps
  • Forschung und Entwicklung
  • fachbezogene Anwendungen von Machine Learning

Machine Learning Engineers beschäftigen sich je nach Rolle unter anderem mit Daten, Modelltraining und Evaluation sowie mit der Integration, Bereitstellung und Überwachung von ML-Systemen.

Welche Tätigkeiten infrage kommen, hängt neben den Machine-Learning-Kenntnissen auch von Ausbildung, Berufserfahrung und zusätzlichem Fachwissen ab.

Lohnt es sich noch, Machine Learning zu lernen?

Ob sich Machine Learning zu lernen lohnt, hängt vom beruflichen Ziel und der gewünschten fachlichen Tiefe ab. Generative KI und automatisierte Werkzeuge verändern einzelne Aufgaben, machen Kenntnisse über Daten, Modelle, Evaluation und Fehlerquellen aber nicht automatisch überflüssig.

Auch im Schweizer Arbeitsmarkt werden KI-Kompetenzen in Stellenanzeigen ausdrücklich nachgefragt. Laut dem PwC AI Jobs Barometer 2026 enthielten 2025 rund 25'000 Schweizer Stellenanzeigen einen KI-Bezug. Das entsprach 1,8 Prozent aller Stellenanzeigen.

Die Zahlen beziehen sich auf KI-Kompetenzen insgesamt und nicht ausschliesslich auf Machine Learning. Sie erlauben deshalb keine Aussage darüber, wie viele Stellen speziell für Machine-Learning-Fachpersonen verfügbar sind.

Neben der Entwicklung eigener Modelle kann auch die Fähigkeit relevant sein, bestehende KI- und Machine-Learning-Systeme sinnvoll auszuwählen, einzusetzen und ihre Ergebnisse kritisch zu beurteilen. Welche Kompetenzen künftig besonders gefragt sind, hängt jedoch von Beruf, Branche und technologischer Entwicklung ab.

Quellen

Autor: Ivan Storchi für Bildung-Schweiz.ch, das unabhängige Schweizer Netzwerk für Aus- und Weiterbildung.
Redaktionell geprüft: Bildung-Schweiz.ch, August 2026
Letzte Aktualisierung: 24. August 2026

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