Was tun gegen das «So so la la»-Gefühl?

Gepostet 25.03.2022, Matthias Furger

Geht es mir psychisch automatisch gut, wenn ich nicht depressiv bin? Gibt es nicht eine Grauzone zwischen mentalem Wohl- und Unwohlsein? Doch, gibt es! Und es existiert dafür sogar ein Wort: «Languishing». Doch wie kann man damit umgehen?

Betroffene haben oftmals keine Ziele und sehen keinen Sinn. Foto: Pexels / Andrew Neel
Betroffene haben oftmals keine Ziele und sehen keinen Sinn. Foto: Pexels / Andrew Neel

«Nicht schlecht» ist wohl eine der häufigsten Antworten, die wir auf die Frage geben, wie es uns denn gehe. Doch heisst «nicht schlecht» automatisch «gut»? Wohl eher kaum! Nur weil ich nicht unzufrieden bin, bin ich noch nicht glücklich; bloss weil ich keine Depressionen habe, bedeutet das nicht, dass ich total positiv durch den Alltag gehe. Das Wort «Languishing», welches der Psychologe Adam Grant in einem Artikel der New York Times bekannt gemacht hat, beschreibt genau diesen Raum zwischen psychischer Erkrankung und Wohlbefinden. «Unsere Realität wird durch Sprache geformt. Deshalb ist es sehr wichtig, meinem inneren Erleben einen Namen zu geben und vielleicht auch zu wissen, dass es mehreren Menschen so geht. Dann kann ich etwas dagegen tun», so Dr. Doris Ohnesorge, Geschäftsführerin und Lehrtrainerin für Coaching und Kommunikation am Dr. Ohnesorge Institut. Dieses und die Business Tools AG sind zwei Beispiele von Bildungsinstitutionen, welche sich mit Languishing auseinandersetzen.

Empfohlene Angebote

 

Zum Verständnis: Beim Wort «Languishing» handelt es sich um ein nominalisiertes Verb, wie im Deutschen etwa «das Atmen» oder «das Fühlen». Auf die Frage nach dem persönlichen Befinden würden also antworten «I am languishing». Aber zugegeben: Es lässt sich darüber streiten, ob mit Languishing nicht ein Phänomen problematisiert wird, das eigentlich völlig normal ist. Man kann schliesslich nicht permanent euphorisch sein. Doch gerade die Corona-Pandemie, welcher der Begriff «Languishing» seine Aufmerksamkeit hauptsächlich verdankt, hat gezeigt, dass es eben nicht ganz so einfach ist. Zwar ist, wer sich im Zustand des Languishing befindet, nicht hoffnungslos (wie bei einer Depression) oder energielos (wie bei einem Burnout) aber zumindest fehlt Betroffenen ein Ziel, ein Sinn. Dazu kommt eine gewisse Gleichgültigkeit. Auf die Pandemie bezogen: selbst wenn deren Ende absehbar wird, kommt keine wirkliche Vorfreude auf. Das Gefühl des Languishing bezeichnet also eine Art emotionale Stagnation oder Ermattung.

Besserung erfordert Bereitschaft für die Investition von Zeit, Energie und Arbeit

Gemäss der Geschäftsführerin der Business Tools AG, Ruth Imholz, hängt eine erfolgreiche Zielsetzung auch von der Bereitschaft eines Menschen ab, Zeit, Energie und Arbeit zu investieren, um das Ziel zu erreichen. «Man muss entsprechend motiviert sein, kann sich aber auch motivieren lassen, wenn man selbst nicht dazu in der Lage ist», so Ruth Imholz. Der Kurs «Sich und andere erfolgreich motivieren» der Business Tools AG bietet hierzu geeignete Strategien an. Aber Languishing kann auch mit fehlender Resilienz zusammenhängen, wie Ruth Imholz weiter erklärt: «Resilienz ist eine psychische Ressource und innere Stärke, die hilft, in Krisen widerstandsfähig zu sein und Herausforderungen zu meistern.» Deshalb bietet die Businesstools AG auch Kurse darüber an, wie Resilienz als Schlüssel für dauerhafte Leistungsfähigkeit genutzt werden kann, damit Languishing erst gar nicht entsteht. Doris Ohnesorge bestätigt: «Sich mit mentaler Stärke und Resilienz aufzuladen ist wichtig. Hierfür gibt es einfache, erlernbare Techniken, wie NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) oder das W.E.R.A.Prinzip®, die in Kursen am Dr. Ohnesorge Institut erlernt werden können. Auch ein Coaching kann helfen, neue Perspektive und Zuversicht zu generieren.»

Empfohlene Angebote

 

Languishing ist zwar keine Krankheit, doch angenehm ist der Zustand trotzdem nicht. Und hält er an, kann er sehr wohl in die Depression führen. Um aus dem Kreislauf der Lethargie auszubrechen, hilft es, sich auf das Positive zu konzentrieren etwa und auf neue Aktivitäten oder Menschen, die mir guttun. Ich kann beispielsweise positive Erlebnisse aufschreiben und immer wieder durchlesen. «Solche Dinge sind in Zeiten der Pandemie jedoch nicht so einfach, wo immer mehr zuhause stattfinden muss. Hier können bereits kleinere Zeiteinheiten helfen, die nur für mich reserviert sind – ohne Handy, Computer, TV, etc.», sagt Doris Ohnesorge.

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