Studienwahl leicht gemacht

Gepostet 03.05.2022, Priska Lagler

Was sollst du tun, wenn du bei der Studienwahl unsicher bist? Wir geben dir Tipps, wie du das passende Studium für dich findest.

Richard Hefti weiss, was bei der Studienwahl wichtig ist. Copyright: AJB, Fotografin: Julia Brütsch
Richard Hefti weiss, was bei der Studienwahl wichtig ist. Copyright: AJB, Fotografin: Julia Brütsch

Richard Hefti ist der Leiter der Studien- und Laufbahnberatung des biz Oerlikon, Zürich. Im Arbeitsalltag ist er täglich mit Fragen rund um die Studienwahl beschäftigt, und angehende Studierende profitieren von seinem Know-how. Im Interview beantwortet er die wichtigsten Fragen zur Studienwahl.

Herr Hefti, können Sie sich zurückerinnern, wie die Studienwahl bei Ihnen ausgesehen hat?
Meine Studienwahl verlief nicht ganz reibungslos. Im Zwischenjahr beim Jobben im Gastrobereich und nach einem weiteren unfreiwilligen Zwischenjahr wegen verpasstem Anmeldetermin an der Uni, reifte die Idee heran, mich in der Entwicklungshilfe nützlich zu machen und einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Dazu schien mir ein Studium der Volkswirtschaft ideal. Bis zum Studienbeginn habe ich die Möglichkeit genutzt, ein Praktikum bei einem Fotografen zu absolvieren. Bereits ein Jahr nach Studienbeginn in der VWL wurde mir klar, dass das Studium nicht meinen Erwartungen entspricht und ich wechselte mein Hauptfach in Psychologie. Das Wirtschaftsstudium schloss ich als Nebenfach ab. Diesen Schritt habe ich nie bereut und ich schätze es nach wie vor, die Grundlagen der Ökonomie kennengelernt zu haben. Meine Studienwahl und der Verlauf im Studium sind quasi die Antithese zu den impliziten Erwartungen, gemäss denen unmittelbar nach der Matura ein Studium begonnen wird, dass dann fünf Jahre später im Alter von spätestens 24 Jahren abgeschlossen sein soll. Allerdinges haben sich die Studienbedingungen seit damals geändert.

Ab wann sollte man sich mit der Studienwahl befassen?
Es gibt nicht den richtigen Zeitpunkt für die Studienwahl. Die angehenden Maturandinnen und Maturanden sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten bereit, sich mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Einfluss darauf hat möglicherweise die Dynamik in der Peergroup, wo ein Sog entstehen kann, wenn sich jemand mit der Studienwahl auseinanderzusetzen beginnt. Die Eltern sind auch wichtige «Auslöser», um sich mit der Studienwahlfrage auseinanderzusetzen. Die Gymnasien im Kanton Zürich bieten den Schülerinnen und Schüler im Verlaufe der Schulzeit immer wieder Auseinandersetzungsmöglichkeiten mit dem Thema Studienwahl. Die Beratenden der Studienberatung des Kantons Zürich sind an den Kantonsschulen präsent. Für die Schülerinnen und Schüler besteht ein niederschwelliges Angebot, um sich Informationen zu holen oder in einer Beratung Entscheidungshilfen zu erarbeiten. Unsere Erfahrung zeigt, dass der Prozess der Studienwahl zwischen dem zweitletzten Jahr vor der Matura und auch im Zwischenjahr danach stattfindet

Wie findet man den richtigen Studiengang, wenn man mehrere Interessen hat?
In einem ersten Schritt nutzt man die vielen verfügbaren Informationsmöglichkeiten, um sich ein besseres Bild der Studiengänge und der möglichen beruflichen Tätigkeiten, die damit verbunden sind, zu verschaffen. Ein Besuch der Ausbildungsinstitution und, sofern möglich, von Vorlesungen kann einem einen Eindruck der Atmosphäre bzw. zu den Inhalten geben. Hilfreich für den Entscheid für einen Studiengang ist aber auch die Selbstkenntnis: Wo liegen meine Stärken, meine Fähigkeiten? Was ist mir wichtig? 

Checkliste Studienwahl

  • Nutze die vorhandenen Möglichkeiten in der Schule und im BIZ, dich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
  • Frage Menschen aus deinem Umfeld, wie sie ihr Studium angegangen sind.
  • Orientiere dich an deinen Interessen, schaue aber auch deine Fähigkeiten an.
  • Finde heraus, wo und bis wann man sich anmelden muss.
  • Kläre ab, ob die Zulassung an Bedingungen (Eignungstest, Praktikum, usw.) geknüpft ist
  • Mache dir Gedanken über das Thema «Geld verdienen» und/oder über das Militär
  • Kläre die Finanzierung für eine Studium oder ein Zwischenjahr ab.

 

Was empfehlen Sie angehenden Studierenden, die sich immer noch unsicher sind bei der Wahl?
Maturandinnen und Maturanden, die sich noch nicht entscheiden können, haben die Möglichkeit, im Austausch mit einer Studienberatungsperson eine Auslegeordnung machen und anhand von für sie wichtigen Aspekten auf einen Entscheid hinzuarbeiten. Unter Umständen können auch diagnostische Verfahren zur Anwendung kommen, um einen Entscheid zu festigen oder auch um die Interessen zu erkunden oder Aspekte zu eruieren, die einem wichtig sind.

Was sollte getan werden, wenn man bemerkt, dass das begonnene Studium nicht das richtige ist?
Mit dem Studienbeginn hat man schon einige Vorleistungen erbracht, die man nicht zu leichtfertig über Bord werfen sollte. Entsprechend ist es wichtig, Klarheit zu erlangen, was einem am begonnen Studium nicht gefällt. Ist es der Studieninhalt? Ist der Universitätsbetrieb zu anonym? Bin ich noch nicht bereit? So kann einem weiteren Fehlentscheid entgegengewirkt werden. Das geschieht häufig mit Unterstützung einer «neutralen» Person in der Studienberatung.

Die Anmeldefrist für die Studiengänge ist meistens schon im Frühling. Zu diesem Zeitpunkt büffeln viele angehende Studierende noch für die Maturaprüfungen. Überfordert die Studienwahl zu diesem Zeitpunkt nicht?
Bei angehenden Maturandinnen und Maturanden liegt der Fokus verständlicherweise auf der Matura und die Studienwahl tritt in den Hintergrund. Nach vielen Jahren Schule, nach der Maturarbeit und den Maturavorbereitungen ist deshalb für einige ein Zwischenjahr eine verlockende Aussicht, bei Männern aufgrund des Militärdiensts eine logischer Unterbruch. Das verschafft eine Pause, lässt Distanz gewinnen und ist einer nachhaltigen Studienwahl zuträglich. Hat man aber schon eine ungefähre Vorstellung, ein Studium an einer bestimmten Hochschule anzustreben, kann die Anmeldung Ende April trotz der fehlenden Zeit für die Auseinandersetzung mit der Studienwahl angezeigt sein. Man gewinnt damit bis zum Studienbeginn Zeit und kann allenfalls noch Anpassungen vornehmen. Ausserdem besteht teilweise auch die Möglichkeit, sich verspätet bis Ende Juli (Uni Zürich) oder Ende August (Uni Bern) anzumelden, was allerdings mit einer höheren Anmeldegebühr verbunden ist.

Für wen lohnt sich eine professionelle Studienberatung?
Alle angehenden Studierenden, die sich noch besser informieren und dabei auf das umfassende Orientierungswissen der Studienberatenden zurückgreifen möchten, können von einer Studienberatung profitieren. Insbesondere für jene, die noch mit einem Entscheid hadern, kann die Auseinandersetzung im Austausch mit einer Beratungsperson hilfreich sein, um einen Entscheid herbeizuführen. Hierbei können auch Befürchtungen oder Ängste angesprochen und der Umgang mit denselben erörtert werden.

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