Teilzeitstudium: Fluch oder Segen?

Gepostet 28.10.2021, Priska Lagler

Ein Studium oder eine Weiterbildung im Teilzeit-Modell ist hoch im Kurs und hat vor allem im letzten Jahrzehnt an Beliebtheit gewonnen. Aber warum ist das Interesse an einem Teilzeitstudium so hoch? Bildung-Schweiz geht den Gründen auf die Spur.

Ein Teilzeitstudium ist attraktiv. Trotz Berufstätigkeit kann eine Weiterbildung oder eine Umschulung gemacht werden. Foto: Adobe Stock
Ein Teilzeitstudium ist attraktiv. Trotz Berufstätigkeit kann eine Weiterbildung oder eine Umschulung gemacht werden. Foto: Adobe Stock

Das Teilzeitstudium ist im Aufschwung. Immer mehr Leute, die ein Studium oder eine Weiterbildung angehen, absolvieren diese im Teilzeit-Modell. Dadurch lässt sich Studium beziehungsweise Weiterbildung mit der Arbeitstätigkeit vereinbaren. Dafür reduzieren Studierende oftmals ihr Arbeitspensum und besuchen neben der Arbeit ein Studium.

Anita Frei, Leitung Marketing der SGO Business School, begründet die Beliebtheit des Teilzeitstudiums wie folgt: «Ich denke, es ist für kaum jemanden realistisch, seine Stelle und sein regelmässiges Einkommen aufzugeben, um ein Studium anzugehen.» Ähnlich sieht es Gabriela Rüegg, Leiterin Kommunikation und Marketing der Hochschule für Wirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW): «Studierende sind oft nicht nur Studierende, sondern auch Sportlerinnen und Sportler, Eltern, Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger.» Ausserdem müssten sich viele ihren Lebensunterhalt selber verdienen, was in einem Vollzeitstudium schwieriger sei. «Sehr oft sind es auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die in ihrer Berufstätigkeit zu wenig Sinnfindung erleben und daher einen anderen Berufsweg wählen», ergänzt Balz Kloeti, Rektor der SKDZ Schule für Kunst und Design Zürich. 

Empfohlene Angebote

Ein Teilzeitstudium bietet einige Vorteile, unter anderem einen abwechslungsreichen Alltag. «Der Wechsel von der Arbeit im Geschäft ins Teilzeitstudium wirkt sich konstruktiv auf die Motivation und Lebensqualität aus», sagt Kloeti. Neben dem finanziellen Aspekt hat das Teilzeit-Modell laut Anita Frei ebenfalls einen Mehrwert für die Praxis. «Die Teilzeitstudierenden haben die Möglichkeit, die neu gelernten Inhalte direkt in die Praxis miteinzubinden», so Frei. Folglich müssen die Studierenden nicht «auf Vorrat» lernen, was einen nachhaltigeren Lerneffekt ermöglicht. Auch Unternehmen profitieren oftmals davon, wenn Mitarbeitende teilzeit studieren. Etwa werden Praxisarbeiten im Rahmen des Studiums gleich für den eigenen Betrieb erstellt. Für Teilzeitstudierende und das Unternehmen stellt dies eine Win-win-Situation dar.

Dennoch gibt es Nachteile. Ein Teilzeitstudium ist immer eine zusätzliche Belastung und es ist schwierig, Familie, Studium, Beruf und Freizeit unter einen Hut zu bringen, sind sich Gabriela Rüegg, Anita Frei und Balz Kloeti einig. Dies benötigt viel Durchhaltevermögen. «Meist leidet die Freizeit und andere Aktivitäten unter dem Studium», sagt Anita Frei. Zusätzlich würden Studierende oftmals Ferien für intensive Studienphasen nehmen. Diese Ferientage fehlen dann bei der persönlichen Erholungszeit.

Motivation und Durchhaltevermögen erforderlich

Die SKDZ Schule für Kunst und Design Zürich, die Hochschule für Wirtschaft FHNW und die SGO Business School haben ein breites Angebot von Teilzeitstudiengängen. Was würden die drei Auskunftsgebenden Interessenten eines Teilzeitstudiums mit auf den Weg geben? «Man sollte sich bewusst sein, dass ein Teilzeitstudium eine intrinsische, hohe Motivation und Durchhaltevermögen erfordert», sagt Balz Kloeti. Ausserdem sollen sich Interessierte gut informieren und mit dem entsprechenden Angebot auseinandersetzen. «Die aktuelle Lebenssituation soll genau geprüft werden und die persönliche Bereitschaft, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, muss vorhanden sein. Aber: Jede Aus- oder Weiterbildung ist eine Investition in die eigene Zukunft und Arbeitsfähigkeit», sagt Gabriela Rüegg. Diese Chance sollte nie vergessen werden. Anita Frei empfiehlt folgendes: «Unterstützung beim Arbeitgebenden und Familie und Freunden sichern. Studierende sollen ein gutes Zeitmanagement haben und nicht überambitioniert sein.» Es müsse nicht immer der «6-er» sein, sondern eine gute Mischung aus Bestehen und neuen Inputs.

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