Entlassung – was nun?

Gepostet 17.04.2019, Martina Schuler

Sich in (finanzieller) Sicherheit zu wiegen, ist ein gutes Gefühl. Unmittelbar nach einer Entlassung ist dies meist nicht mehr der Fall. Dabei spielt es nicht primär eine Rolle, ob die Kündigung unerwartet, selbst verschuldet oder aus wirtschaftlichen Gründen ausgesprochen wurde. Wichtig ist aber, einen Plan für das weitere Vorgehen zu haben.

Eine Entlassung ist nicht das Ende - aber ein Schock kann es schon sein. (© Jakub Jirsák / Adobe Stock)
Eine Entlassung ist nicht das Ende - aber ein Schock kann es schon sein. (© Jakub Jirsák / Adobe Stock)

Wer hätte das gedacht: der sicher geglaubte Job ist plötzlich weg. Die Entlassung nach 13 Jahren ist erst mal ein Schock. Nun gilt es, diesen zu überwinden und eine Strategie zu entwickeln. Doch der Reihe nach.

War die Entlassung gerechtfertigt?

In der Schweiz herrscht Kündigungsfreiheit. Das heisst, Arbeitsverhältnisse können praktisch jederzeit unter Einhaltung der Kündigungsfristen und –termine aufgelöst werden. Einen triftigen Grund oder eine Vorwarnung braucht es nicht. Die Kündigung erfolgt meist schriftlich und ist gültig, wenn Sie zugestellt ist.

Die Kündigung darf nicht diskriminierend sein oder gegen das Gleichstellungsgesetz verstossen. Sperrfristen in Bezug auf Militär-/Zivildienst, Krankheit/Unfall, Schwangerschaft, Mutterschaftsurlab, Auslandhilfsaktionen sind einzuhalten. Der Kündigungsschutz ist im Schweizer Arbeitsvertragsrecht Art. 336 OR geregelt.

Eine Freistellung entspricht nicht einer fristlosen Kündigung. Der Unterschied besteht darin, dass man bei einer Freistellung nicht mehr zur Arbeit erscheinen muss, den Lohn aber noch erhält. Bei der fristlosen Kündigung entfällt beides. Wer bereits während der Freistellungszeit mit einem neuen Job startet, darf nicht das doppelte Gehalt einstreichen. Dies muss dem alten Arbeitgeber mitgeteilt werden, damit die Lohnfortzahlung erlischt. Ansonsten macht man sich strafbar.

Welche Möglichkeiten gibt es nun?

Allfällige Ferienguthaben sollten bezogen oder ausbezahlt werden. Wichtig ist auch, sich spätestens auf das Austrittsdatum ein Arbeitszeugnis ausstellen zu lassen. Bei Bedarf kann man auch Einsicht in die Personalakte verlangen.

Man sollte sich bereits während der Kündigungsfrist intensiv um eine neue Stelle bemühen. Ansonsten könnten Arbeitslosentaggelder gestrichen werden. Für allfällige Vorstellungsgespräche sollte vom Arbeitgeber nach Absprache angemessen Zeit gewährt werden. Falls eine Arbeitslosigkeit droht, unbedingt frühzeitig beim RAV (Regionales Arbeitsvermittlungszentrum) anmelden.

Umstände für sich nutzen

Man sollte versuchen, in einer Entlassung das Positive im Negativen zu sehen. Irgendwann wird evtl. klar, für was das Ganze gut sein sollte – oder man ist bestenfalls sogar froh, dass es so gekommen ist. Wenn es die finanziellen Verhältnisse zulassen, ist das vielleicht die Gelegenheit für eine Weiterbildung, eine längere Reise oder ein anderes privates Projekt?

Auch könnten die Umstände für eine Gesamtschau genutzt werden. Fragen wie „Was kann ich? Wohin will ich? Wer kann mir dabei helfen? Wie erreiche ich dieses Ziel?“ sollte man sich in dieser Situation stellen. Oft erkennt man dabei positive Aspekte, Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten. Auch für unerwartete Wendungen sollte man offen sein.

Fazit

Eine Entlassung ist nicht das Ende. Und es lohnt sich, sich auf vernünftige, menschliche wie auch korrekte Art und Weise zu trennen. Das spart Geld, Energie und Zeit.

Eine Entlassung ist oft eine Erfahrung, die man nicht gesucht hat - aber vielleicht hat das Leben noch etwas viel besseres zu bieten, als man es je zu träumen gewagt hat. Deshalb sollte man offen und flexibel bleiben.

Falls sich die Arbeitssuche schwierig gestaltet, findet man in den kantonalen Institutionen (RAV) eine gute Unterstützung. Diese Hilfe sollte man nicht scheuen anzunehmen.

Wichtig ist auch, die Zuversicht nicht zu verlieren, auch wenn unter Umständen erst mal Rückschläge in Kauf genommen werden müssen. Irgendwann kommt es gut.

Erste Hilfe bei einer Entlassung

  1. Schock verdauen, herunterfahren und mit Vertrauten darüber sprechen
  2. Standortbestimmung machen – Rückblick und Ausblick
  3. Persönliches Netzwerk aktivieren, Stellenanzeiger checken
  4. Bewerbungsunterlagen wie Lebenslauf, Arbeitszeugnisse, Aus- und Weiterbildungszertifikate sowie Portraitfoto à jour bringen und bewerben
  5. Amtsstellen wie das RAV oder Berufs- und Studienberatungsdienst aufsuchen
  6. Durchhalten und zuversichtlich bleiben

Ähnliche Beiträge

Mehr zum Thema

Beratung Persönlichkeitsbildung
Unsere aktuellsten Beiträge
Systemtechnik und Automation schaffen Perspektiven: Absolvierende sind gefragt. Foto: HFT Schaffhausen

Auf der richtigen Seite der Zukunft

In der Industrie der Zukunft spielen Roboter und automatisierte Systeme eine zentrale Rolle. Der Wandel ist in vollem Gang und viele industrielle Tätigkeiten werden künftig von Maschinen ausgeführt. Es entstehen gleichzeitig aber auch hervorragende berufliche Perspektiven für qualifizierte Fachleute, beispielsweise in Systemtechnik und Automation.

21. Juni Othmar Bertolosi
Schlechte Gewohnheiten, wie regelmässig ohne wirklichen Grund auf das Smartphone zu schauen, kann man sich abgewöhnen. Foto: Adobe Stock

Wie Sie schlechte Gewohnheiten loswerden

Sie sind unser persönlicher Autopilot: Gewohnheiten. Wenn es jedoch darum geht, schlechte Verhaltensweisen abzulegen, stehen sie uns oft im Weg. Die gute Nachricht: Das lässt sich ändern!

14. Juni getAbstract
Ein Praktikum dient dazu, Erfahrungen im Geschäftsalltag zu sammeln und sich in der Berufswelt zu behaupten. (© comzeal / Adobe Stock)

Praktikum – was ist zu beachten?

Junge Leute wissen meist, wovon beim Stichwort Praktikum die Rede ist. Direkt nach der Ausbildung einen festen Job zu haben, ist längst nicht mehr die Regel. Oft gilt es erst ein Praktikum zu absolvieren, um im gewünschten Beruf Fuss zu fassen.

3. Juni Martina Schuler