Wer bietet in der Schweiz ein Studium oder Weiterbildung in Psychomotoriktherapie an?

Fünf Gründe, warum sich ein Studium oder eine Weiterbildung in Psychomotoriktherapie lohnt:

  • tieferes Verständnis der Zusammenhänge zwischen psychischem Fehlverhalten und Bewegungsstörung
  • andere Fachrichtungen, die im Zusammenhang mit Therapien stehen, werden in das Studium einbezogen 
  • Erweiterung des eigenen fachlichen Horizontes
  • die Kenntnis der Ursachen bestimmter Bewegungsabläufe ermöglicht einen neuen Zugang zum Patienten
  • therapeutische Interventionen sind Teil des Studiums und bereiten auf die Praxis vor.

Was ist Psychomotoriktherapie?

Psychomotoriktherapie ist ein Behandlungskonzept für Kinder und Erwachsene, überwiegend werden Kinder damit angesprochen. Suzanne Naville ist die «Urmutter», ihr Name ist in der Schweiz eng mit diesem therapeutischen Modell verbunden. Frau Naville arbeitete in den 1960er-Jahren mit Kindern und war auf der Suche nach einer ganzheitlichen Therapie. So entwickelte sie einen Ansatz, der es erlaubte, den gesamten Menschen mit seinen Fähigkeiten und Schwächen in die Behandlung einzubeziehen. Kontakt- und Handlungsfähigkeiten werden durch die Psychomotoriktherapie verbessert und gestörte Bewegungsabläufe lassen Rückschlüsse auf psychologische Probleme zu. Alles steht mit allem in Verbindung und ein Tick ist nie nur ein Tick, immer ist er im Sinne der Psychomotoriktherapie ein Zeichen für eine ursächliche Fehlfunktion. Aus diesem Grunde ist beispielsweise der Tanz in der Psychomotoriktherapie für Erwachsene so heilsam. Durch ihn verbindet sich die Seele mit dem Körper zu einem Ganzen und Defizite werden harmonisch ausgeglichen.

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Welche Möglichkeiten gibt es für ein Studium oder eine Weiterbildung in der Schweiz in Psychomotoriktherapie?

Zwei anerkannte Abschlüsse berechtigen den Studierenden zur Ausübung eines Berufs im Feld der Psychomotoriktherapie. Der eine Weg führt über die Schweizerische Hochschule, der mit dem Bachelor abschliesst. Der andere Weg geht über einen Masterabschluss des Studiengangs Psychomotoriktherapie. Beide Abschlüsse sind überall in der Schweiz anerkannt.

Um für diesen Studiengang zugelassen zu werden, wird in der Regel eine Aufnahmeprüfung verlangt und mancherorts auch ein Vorpraktikum.

Weiterbildungsangebote hingegen im Bereich Psychomotoriktherapie können an verschiedenen Hochschulen im Land absolviert werden. So werden zum Beispiel «Klinische Musiktherapie» und Psychomotorik-Kurse angeboten. Andere Weiterbildungen behandeln unterschiedliche Themen, zum Beispiel «richtiges Atmen für Kinder», «lösungsorientierte Gesprächsführung», «Humor im Alltag» oder «der Umgang mit der Angst».

Für wen eignet sich ein Studium oder eine Weiterbildung in Psychomotoriktherapie?

Ein Studium der Psychomotoriktherapie eignet sich für alle Menschen, die im therapeutischen Umfeld ihr Feld ein wenig vergrössern möchten. Nicht nur Medizin oder reine Pädagogik braucht Mut, das Studium der Psychomotorik verlangt ebenfalls persönliches Engagement, den eigenen Körpereinsatz und eine aufgeschlossene Haltung jeglicher Form von Bewegung gegenüber. Der Beruf ist äusserst praxisorientiert. Der Therapeut / die Therapeutin arbeitet im Berufsleben mit Kindern und Erwachsenen, wird jedoch mehrheitlich mit Kindern zu tun haben. Heisst, dass Interessierte keine Angst im Umgang mit Kindern haben sollte, auch nicht vor grösseren Gruppen von ihnen.

Die Weiterbildung ist in der Regel für sozialpädagogische Berufe interessant, aber auch für Psychotherapeuten / Psychotherapeutinnen, die ihr Angebot erweitern möchten. Der Körper in Bewegung und im Spiel ist das Sujet. Schüchterne Naturen haben es wahrscheinlich schwerer, den Zugang zu den gestörten Bereichen der Patienten / Patientinnen zu finden als Menschen, die Transparenz und Offenheit ausstrahlen. Generell lässt sich sagen, dass die Psychomotoriktherapie, wie jede andere psychologische oder physiotherapeutische Behandlung auch, dem Praktizierenden eine schonungslose Innenschau der eigenen Persönlichkeit abverlangt. Zuerst lernt sich der Studierende selbst kennen, erst dann wird er befähigt sein, anderen zu helfen.

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Berufsfelder für den Psychomotoriktherapeuten / die Psychomotoriktherapeutin gibt es in unterschiedlichen Bereichen des öffentlichen Lebens. Von Kindergärten und Schulen über Krankenhäuser, sozialpädagogische und psychiatrische Einrichtungen, aber auch Seniorenheime sind die Orte, an denen die Therapeuten arbeiten. Überall im Alltag kann sich Bedarf für diese Art von Therapie zeigen. Die Diagnostik einer psychomotorischen Störung allein wird meistens mit klinischen Verfahren erfasst. Die Therapie findet oft in Form eines Gesamtkonzeptes statt. Psychomotoriktherapie wird eingebettet in pädagogische und medizinische Hilfsangebote, sodass der Klient / die Klientin nicht allein bleibt. Darüber hinaus ist die Psychomotoriktherapie durch eine Vielzahl an verschiedenen theoretischen Modellen gekennzeichnet, die zwar alle an einem Strang ziehen, dennoch unterschiedliche Schwerpunkte und Ansätze haben. Ist es doch so, dass sich nicht für jedes Tätigkeitsfeld dasselbe Konzept von Psychomotoriktherapie eignet. Da gibt es den psychoanalytischen Ansatz, den systemischen, den kindzentrierten oder den neoreichianischen. Für das Studium bedeutet das in erster Linie Vielfalt, in zweiter Linie macht sich mitunter auch Verwirrung breit, wenn die Thesen der Dozierenden auseinanderdriften und den Studierenden das Denken selbst überlassen. Im Anschluss an die Lehrjahre wird sich der Berufsanfänger / die Berufsanfängerin über seine Möglichkeiten informieren. Hat er eine Vorstellung von Zukunft, fällt auch die Entscheidung für eine bestimmte Ausrichtung innerhalb der Psychomotoriktherapie nicht mehr schwer. Im Hinblick auf die Weiterbildung sind die Grenzen offen und frei wählbar. Viele spannende Lehrgänge werden das ganze Jahr über angeboten. Sie eignen sich für Mediziner / Medizinerinnen ebenso wie für Lehrpersonen und Betreuende von Kinder- und Jugendcamps.

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Gerne dürfen Sie uns Ihre Anregungen an info@bildung-schweiz.ch senden. Besten Dank.