Pilates vs. Yoga: Zwei Wege zum inneren Gleichgewicht

Gepostet 11.12.2018, Martina Tresch

Yoga und Pilates liegen im Trend. In den Grossstädten schwören viele darauf, auch in ländlichen Regionen gibt es Yoga- und Pilatesstudios en masse. Doch was steckt eigentlich dahinter? Eine Gegenüberstellung.

Was ist der Unterschied zwischen Yoga und Pilates? (Foto: Fotolia)
Was ist der Unterschied zwischen Yoga und Pilates? (Foto: Fotolia)

Der Rücken schmerzt, die Körperhaltung stimmt nicht, die Atmung ist flach, der Geist müde. Auf der Suche nach Linderung und Verbesserung gelangt man früher oder später zum Yoga oder Pilates. Was aber steckt dahinter? Was hilft in welchen Bereichen? „Es kommt ganz darauf an, wo der Fokus liegt, welches Ziel man erreichen möchte und letztlich ist es aber auch Geschmacksache“, erklärt Kerstin Schaller. Sie gibt Kurse und ist zugleich Ausbildnerin in Pilates und Power-Yoga an der Swiss Academy of Fitness & Sports (SAFS). Die Gründe, aus denen Männer und Frauen zu ihr gelangen, sind vielfältig. „Es gibt Frauen, die nach der Geburt ihren Beckenboden stärken wollen, es gibt aber auch Menschen, die ihre Haltung verbessern oder ihre Rückenschmerzen loswerden möchten.“ Wer Rumpfstabilisation suche, der sei im Pilates richtig, denn genau darum geht es bei dieser Trainingsmethode. Die verschiedenen Übungen, die an Geräten oder auf einer Matte ausgeführt werden, konzentrieren sich dabei vor allem auf das Zentrum der Person. „Es geht darum, den Core, den sogenannten Kern, also die tiefliegenden Muskeln zu stärken. Wir sprechen hier auch vom Powerhouse, also von der Beckenregion, die mit Kraftübungen gestärkt wird", führt sie weiter aus. 

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Yoga ist viel mehr

Um Kraft geht es also beim Pilates. Und beim Power-Yoga? „Hier konzentrieren wir uns auf die Stützkraft, die Dehnungsfähigkeit und Beweglichkeit“, führt Kerstin Schaller aus, die seit diesem Jahr Power-Yoga-Kurse an der SAFS anbietet. Yoga habe aktuell wieder an Popularität gewonnen, wie die Dozentin verrät. „Diese und andere Yoga-Formen erleben jedoch seit Jahren einen anhaltenden Hype“, hält sie weiter fest und erklärt, dass Yoga noch viel mehr beinhaltet als Power-Yoga allein. „Beim Power-Yoga konzentrieren wir uns ausschliesslich auf das Physische, Körperliche, also rein auf Yoga-Übungen. Eigentlich besteht Yoga aber noch aus viel mehr.“ Wie viel mehr weiss Madeleine Gasmi. Sie ist Expertin in Sachen Kundalini-Yoga und Hatha-Yoga, nur zwei von vielen unterschiedlichen Yoga-Formen. Sie erklärt, dass es beim Yoga nur in zweiter Linie um die allseits bekannten Figuren wie zum Beispiel "der Lotus-Sitz“ oder „der Baum“ geht. „Ziel im Yoga ist es im Grunde, ruhig und ohne Schmerzen sitzen zu können und zu meditieren.“ In der westlichen Welt gehe oftmals vergessen, was alles noch hinter dem Wort Yoga steckt. „Yoga ist eine Lebensauffassung, eine Lebensart, die Aus Indien stammt“, sagt die Mitbegründerin der Amrit Yoga Akademie. "Hatha Yoga ist von den Veden respektive dem Hinduismus geprägt, Kundalini Yoga vom Sikhismus."

„Yoga ist eine Lebensauffassung, eine Lebensart, die vom Hinduismus abstammt.“

Atmung und das Spirituelle im Zentrum

Während Hatha eine sanfte Form des Yoga ist, bei der es mehr ums Dehnen und um Körperstellungen geht, ist Kundalini-Yoga die aktivere Variante, es wird in Bewegung meditiert. „Kundalini-Yoga ist verdichtet und es ist auch der schnellere Weg als Hatha-Yoga“, führt Madeleine Gasmi aus. Bei beiden Formen geht es aber auch um Atmung, alles dreht sich darum, die Lebens-Energie (Prana) im Körper fliessen zu lassen, und vor allem steht das Spirituelle im Zentrum. „So gibt es zum Beispiel auch yogische Grundregeln, ähnlich den zehn Geboten, beispielsweise zählen Reinheit (körperlich und gedanklich), Wahrheit oder Gewaltfreiheit dazu“, hält sie fest. Das Spirituelle am Yoga, entdecken die meisten nicht als erstes, führt die Yoga-Lehrerin aus. „Yoga besteht zu 95 Prozent  aus Praxis und rund 5 Prozent Theorie. Das ist aber auch vollkommen egal, denn vieles erfahren die Menschen erst, wenn sie Yoga praktizieren.“ Es sei wichtig, dass Interessierte zuerst einmal ausprobieren und herausfinden, welches Yoga zu ihnen passt. Hierzu bieten Yoga-Studios meist kostenlose Schnupperlektionen und Akademien immer wieder einmal Einführungsseminare und Workshops an, wie die Expertin erklärt.

„Pilates wird sich immer durchsetzen, da es sehr durchdacht und effizient ist.“

Durchdacht und hilft bei Stress

Ihre Anhänger finden Yoga und Pilates in den unterschiedlichsten Altersklassen und in Menschen ganz verschiedener Herkunft. Während Madeleine Gasmi berichtet, dass sie vor allem zwischen 30- und über 50-jährige Frauen und Männer unterrichtet, empfängt Kerstin Schaller eher jüngere Kundschaft im Power-Yoga. „Zu empfehlen ist es allen, nicht aber Schwangeren“, betont sie. Hingegen seien Kundalini- und Hatha-Yoga während der Schwangerschaft und bei der Rückbildung wundervolle und erhebende Begleiter. "Sie bereiten mit sanfteren Lektionen, vielen Atemübungen und Meditationen in idealer Weise auf die Geburt vor", so Madeleine Gasmi. Beides, also Pilates und Yoga, wird mehrheitlich von Frauen praktiziert, das liege vor allem daran, dass Groupfitness bei Frauen einfach besser ankomme als bei Männern, so Kerstin Schaller. Sie stellt auch fest, dass immer mehr Leistungs- und Spitzensportler auf Pilates setzen. Madeleine Gasmi ihrerseits hat die Erfahrung gemacht, dass Yoga in letzter Zeit populärer geworden ist, eine Beobachtung, die auch Kerstin Schaller macht, aber dennoch festhält: „Pilates wird sich immer durchsetzen, da es sehr durchdacht und effizient ist.“ Sie selbst kann allerdings weder auf Yoga noch auf Pilates je verzichten, denn: „Beides sind ruhige, einzigartige Methoden mit unterschiedlichem Fokus – im Idealfall praktiziert man beide.“ Madeleine Gasmi sieht sowohl Pilates als auch Yoga in Zukunft noch stärker im Kommen: „Die Menschen sind zunehmend Stress ausgesetzt. Gerade Yoga ist hier erwiesenermassen erfolgreich.“

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