Rhetorik oder wie man eine Rede schön verpackt

Gepostet 08.09.2021, Martina Tresch

Politiker und Politikerinnen sind vielfach gute Rhetoriker. Sie überzeugen mit ihren Worten. Doch nicht nur sie können das. Rhetorik ist lernbar. Zwei Experten geben Tipps.

Die Kunst der Rhetorik beinhaltet nicht nur das gesprochene Wort. Körpersprache, Gestik und Mimik sind wichtige Bestandteile einer guten Rede. Bild: Adobe Stock
Die Kunst der Rhetorik beinhaltet nicht nur das gesprochene Wort. Körpersprache, Gestik und Mimik sind wichtige Bestandteile einer guten Rede. Bild: Adobe Stock

Rhetorik verbinden wir oftmals mit grossen Reden, denken dabei etwa an die berühmten Philosophen der Antike. Unter Rhetorik versteht man denn auch die «Kunst des Redens». Das klingt schwierig und etwas beliebig. Doch die gute Nachricht: «So wie alle Kunstarten, kann man auch diese Kunst lernen», offenbart Valérie Cuénod, die unter anderem Rhetorik-Kurse an der Klubschule Migros gibt. «Während Redner in der Antike nur über das gesprochene Wort verfügten, kann uns heute die Technik – wie beispielweise eine PowerPoint-Präsentation beim Halten einer Ansprache unterstützen.» Dabei bestehe aber die Gefahr, sich hinter der Technik zu verstecken, was sie schade findet, denn: «Die Überzeugungskraft entsteht über die Person – und dies kann sich jeder und jede aneignen, ob mit oder ohne Charisma», so die Expertin. Doch was ist, wenn einem das Lampenfieber unverhofft einen Strich durch die Rechnung macht? Die Worte plötzlich fehlen? Die Nervosität überhandnimmt? Auch hier beruhigt Valérie Cuénod: «Ein gewisses Quantum an Lampenfieber ist nicht per se schlecht, rund 80 Prozent meiner Kursteilnehmenden haben damit zu kämpfen. Entscheidend ist, dass man authentisch bleibt, und es gibt Tools, die Trotz Nervosität zum Gelingen der Rede beitragen.»

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Das Gegenüber überzeugen

Werkzeuge, die jede und jeden zu einem guten Rhetoriker beziehungsweise einer guten Rhetorikerin werden lassen, vermittelt auch Ruedi Käch, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW: «Wesentlich ist, seiner Botschaft Wirkung zu verleihen.» Und das gelingt, verrät der Experte, wenn man das Gegenüber überzeugt, sich aber gleichzeitig in die Gegenseite hineinversetzt. Eine gute Vorbereitung helfe hierbei enorm: «Vieles in der Rhetorik lässt sich gut planen, man weiss ja meistens, was einen erwartet. Es geht letztlich darum, eine Aussage sprachlich so aufzubereiten, dass deren Inhalt aufgewertet wird. Bei Geschenken, die wir sorgfältig einpacken, ist das analog. Rhetorik ist somit nichts anderes als eine wirkungsvolle Verpackung», bringt es Ruedi Käch auf den Punkt. Der Inhalt und die Rhetorik, führt er aus, seien hingegen zwei Paar Schuhe. Zwar sollte eine Rede Wirkung zeigen, der Inhalt dürfe dabei aber nicht dabei verloren gehen. Und so, verrät der Experte, gelingt das Verpacken einer Ansprache: «Bilder kreieren, Aussagen auf den Punkt bringen, überzeugen und Fragen stellen.»

Experten-Tipps für eine gute Rede:

  • Das Ziel definieren

  • sich gut vorbereiten (roter Faden)

  • Positive Einstellung zu sich selber und zum Publikum

  • Atemübungen, Mentaltraining zur Vorbereitung

 

Gesamtwirkung ist entscheidend

In der Rhetorik geht es primär um das gesprochene Wort. Aber nicht nur, wie Ruedi Käch betont: «Zur Gesamtwirkung in der Rhetorik gehören auch die Körpersprache, Mimik und Gestik.» Mit Unbehagen vor Leute zu treten, sei im Hinblick auf die rhetorische Wirkung problematisch. Er empfiehlt daher, auch einmal vor vertrautem Publikum zu üben. Und wenn man schliesslich vors «richtige» Publikum tritt, sollte man eines nicht vergessen: «Grundsätzlich ist einem das Publikum wohlgesinnt», so Ruedi Käch und er schiebt nach: «Glauben Sie an sich!» Eine positive Haltung nützt auch in den Augen von Valérie Cuénod beim Halten einer Rede: «Hier kann Mentaltraining eine ganz wichtige Rolle spielen, denn die Vorstellungskraft ist ein mächtiges Instrument.»

Unterhaltungsaspekt nicht vergessen

Die Rhetorik-Expertin, die zudem als professionelle Schauspielerin und Regisseurin tätig ist, spricht noch einen Aspekt an, den Rednerinnen und Redner nicht ausser Acht lassen sollten: «Er oder sie ist dann erfolgreich, wenn der Unterhaltungsaspekt nicht auf der Strecke bleibt. Bringen Sie die Message spannend herüber, überraschen Sie das Publikum positiv», empfiehlt Valérie Cuénod. So sei es möglich sogar trockene Materie wie etwa Quartalszahlen interessant zu präsentieren. «Jeder und jede kann davon profitieren, Rhetorik richtig einzusetzen.» Das sei wohl auch mit ein Grund, dass Firmen, Studierende, Lehrpersonen, Politiker / Politikerinnen oder Kulturmanager / Kulturmanagerinnen Rhetorik-Seminare besuchen. In den Kursen, die Valérie Cuénod gibt, sorgt sie stets für eine heitere Atmosphäre: «Eine vertrauensvolle Atmosphäre ist das A und O beim Lernen. Wenn es Spass macht und das Vertrauen da ist, wird vieles mit Leichtigkeit umgesetzt», erklärt die Dozentin. Und um zurück zum Lampenfieber zu kommen: «Entspannungsübungen helfen, Panik zu vermeiden», sagt Valérie Cuénod. Also: Tief ein- und mit einem langgezogenen ‚Sch’ ausatmen – eine Tiefenatmung steigert die Präsenz. «Zappelige können sich zudem vorstellen, ruhig dazustehen wie ein grosser Baum mit tiefen Wurzeln. Denn – wie gesagt – das Visualisieren hilft. Leistungssportler benutzen diese Methode schon lange erfolgreich», sagt die Expertin.

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