Viele Wege, ein Ziel: Wie Alternativmedizin die Selbstheilungskräfte aktiviert

Gepostet 01.02.2018, Martina Tresch

Sie wird gefeiert und belächelt. Sie hilft da, wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stösst: die Alternativmedizin. Bildung-Schweiz hat bei zwei komplementärmedizinischen Methoden genauer hingeschaut.

Eine Methode der Alternativmedizin heisst Reiki – dabei geht es darum, Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Foto: Martina Tresch-Regli
Eine Methode der Alternativmedizin heisst Reiki – dabei geht es darum, Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Foto: Martina Tresch-Regli

Längst fristet die Alternativmedizin kein stiefmütterliches Dasein mehr. Die Möglichkeiten, die sie bietet, sind breitgefächert – das beweist auch der genauere Blick auf zwei Methoden der Alternativmedizin. Es ist ein nasskalter Tag in Bürglen, Uri. In einer kleinen Dachwohnung beginnt Manuela Imholz gerade mit einer Behandlung.  Auf einer Kommode brennen drei Kerzen. An den Wänden hängen mehrere Zertifikate. Aus einer Ecke klingt Meditationsmusik. Kunde Adrian Hauser hat auf einer Liege Platz genommen. Er liegt tiefenentspannt da, an seiner Seite steht Manuela Imholz – die Konzentration steht ihr ins Gesicht geschrieben. Sie legt ihre Hände auf den Kopf ihres Patienten. Weitere, präzise Handbewegungen am Oberkörper folgen. Sie erklärt, dass sie ihre Hände nach einer bestimmten Reihenfolge auf gewisse Körperzonen legt und so die Energie dort fliessen lässt. Manuela Imholz ist seit 2013 Reiki-Therapeutin, seit 2014 besitzt sie das Abschlusszertifikat als traditionelle Reiki Grossmeister-Lehrerin.

Empfohlene Angebote

Alternativmedizin: Methode Reiki

„Was ich tue ist weder Humbug, oder eine Sekte, noch ist es schwarze Magie“, erklärt die 30-Jährige. Als sie ihre ersten Versuche als Reiki-Therapeutin machte, sahen dies jedoch viele völlig anders. Die junge Frau erhielt gehässige Telefonate, wurde mit Mails angefeindet. Dabei wollte Manuela Imholz, die nach dem Gymnasium während drei Jahren Psychologie studiert hatte, das erste seriöse Angebot im Kanton Uri schaffen. „Die Leute hatten wohl Angst. Angst vor etwas Neuem und vielleicht Angst, dass ich sie abhängig machen will.“ Doch das Gegenteil sei der Fall: Mit ihren Behandlungen und Seminaren bringt sie ihren Kundinnen und Kunden bei, wie sie die alternativmedizinische Methode selbst anwenden können. Manuela Imholz bildet nämlich auch Reiki-Lehrer aus. Doch was steckt dahinter? „Ich gebe meinen Kunden das Urvertrauen zurück. Das Vertrauen zur geistigen Welt und zu sich selbst.“ Diese Methode der Alternativmedizin sei ein Mittel, um sich zu entspannen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Was sie dafür benötige, seien ausschliesslich ihre Hände. „Anders als bei anderen alternativmedizinischen Methoden benötigen meine Kunden weder ein Mittel zur Einnahme, noch Armbänder oder sonstige Hilfsmittel – allein die Hände reichen aus, um die Energie wieder fliessen zu lassen.“

„Was ich tue ist weder Humbug, oder eine Sekte, noch ist es schwarze Magie.“

Von Depressionen bis Schlafstörung

Manuela Imholz ist Reiki-Therapeutin im Kanton Uri. Foto: Martina Tresch-Regli
Manuela Imholz ist Reiki-Therapeutin im Kanton Uri. Foto: Martina Tresch-Regli

Von Depressionen mit Suizidgedanken, über Stress bis hin zu Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten: Die Probleme, mit denen Menschen an Manuela Imholz gelangen, sind sehr unterschiedlich. „Aus der ganzen Schweiz kommen Menschen zu mir“, sagt die Urnerin. Vor jeder Behandlung sucht die Therapeutin jeweils das Gespräch: „Manche verraten mir sofort, was los ist. Andere sind verschlossener.“ Es komme aber gar nicht so sehr darauf an, wie viel ihr das Gegenüber verrät – wirken tue ihre Behandlung sowieso. „Das Annehmen der Energie geschieht unbewusst. Die Seele empfängt diese Energie und setzt sie dort ein, wo sie am dringendsten gebraucht wird.“ Behandlungen bietet die Therapeutin vor Ort in Bürglen an – sie macht aber auch Fernbehandlungen. Damit die aus Japan stammende Heilmethode seine Wirkung entfalten kann, behandelt die Therapeutin ihre Kunden über eine längere Zeitspanne. „Dies ist ein Prozess und jeder Mensch reagiert anders – einige merken bereits nach wenigen Behandlungen eine Verbesserung, andere brauchen mehr Zeit.“ Nach einer Behandlung, berichtet die Urnerin, würden sich ihre Kunden oftmals ausgeglichener fühlen. „Einige berichten, dass sich der Körper ganz warm anfühlt.“– Adrian Hauser ist noch immer tiefenentspannt, doch bald schon ist seine Behandlung zu Ende. Er ist nicht der einzige Mann, der zur Kundschaft von Manuela Imholz zählt. „Da Reiki nichts mit Esoterik zu tun hat sondern eine alternativmedizinische Methode ist, fühlen sich wohl auch Männer davon angesprochen.“

Alternativmedizin: Methode Homöopathie

Eine alternativmedizinische Methode, die eine grössere Bekanntheit geniesst als Reiki ist die Homöopathie. In der Schweiz gibt es mehrere Schulen, die Homöopathen ausbildet, die SHI Homöopathie Schule ist jedoch die einzige, die Homöopathen auf dem Niveau Höhere Fachschule ausbilden – ein Bildungsgang, der seit 2007 staatlich anerkannt ist. Seit ihrer Gründung 1993 hat die Schule fast 300 Homöopathinnen und Homöopaten ausgebildet – seit 2011 lehrt die Schule ausserdem Tierhomöopathie. Zwar ist die Zahl der Studenten an der SHI rückläufig, wie Schulleitungsmitglied Gabriela Keller erklärt. Den Grund sieht sie aber weniger bei der Nachfrage als vielmehr bei den Kosten. „Die Ausbildungen im alternativmedizinischen Bereich müssen von den Studenten selber bezahlt werden – somit sind die Kosten für die Ausbildung relativ hoch im Vergleich zu anderen Studiums.“ Aus ihrer Sicht gibt es zwar schon viele gut ausgebildete Homöopathen, „doch der Markt hat noch Platz für weitere“.

Vorteil: Ganzheitliche Wirkung

In den letzten Jahren hat die Homöopathie an Popularität gewonnen. „Wir arbeiten in vielen Bereichen bereits mit Schulmedizinern und Institutionen zusammen – das funktioniert sehr gut“, betont Gabriela Keller. Sie hält aber auch fest: „Kritiker wird es immer geben.“ Der grosse Vorteil der Homöopathie sei, dass sie ganzheitlich wirkt, hält die diplomierte Homöopathin fest. So können sowohl chronische wie auch akute Krankheiten behandelt werden. „Besonders gross ist der Erfolg im psychosomatischen Bereich sowie im Bereich der chronischen Krankheiten – auch im palliativen Bereich können Beschwerden gelindert werden“, führt sie aus. Ausserdem würden viele Patienten auf die Homöopathie zurückgreifen, wenn die Schulmedizin nicht weiter hilft. Die Grenzen dieser alternativmedizinischen Methode liegen dort, wo schon viele Behandlungen im Vorfeld gemacht worden sind, erklärt Gabriela Keller. „In diesen Fällen ist es aber eine gute Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung.“

„Wir arbeiten in vielen Bereichen bereits mit Schulmedizinern und Institutionen zusammen – das funktioniert sehr gut.“

Zuerst informieren, dann therapieren

Nicht selten behandeln sich Leute selbst, wenn sie auf Methoden der Alternativmedizin zurückgreifen. Das ist so weit auch absolut kein Problem – schliesslich sind viele Präparate in Drogerien und Apotheken ohne vorgängige Abklärungen erhältlich. Dieses Phänomen kennt auch die Expertin der SHI: „Patienten wenden die Homöopathie oft selber an, hautsächlich im akuten Bereich. Ich empfehle aber allen Patienten mindestens einen Hausapothekenkurs zu besuchen, bevor sie sich selber therapieren.“ Denn, wenn ein Mittel nicht hilft, sei es ratsam, einen erfahrenen Homöopathen aufzusuchen. Und sie betont: „Chronische Krankheiten sollte man gar nicht selber behandeln, sie gehören in die Hände von ausgebildeten Fachpersonen.“

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