Umstrittene Tierversuche in der Forschung

Gepostet 11.12.2015, Myriam Arnold

Tierversuche sind kontrovers und hart umkämpft. Auch in der Wissenschaft. Die Universität und die ETH Zürich erleben dies zurzeit hautnah. Seit knapp zwei Jahren zieht sich ein Bewilligungsverfahren hin. Ihre Forschung im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen mithilfe von Primaten steht auf der Kippe.

Die Universität und ETH Zürich planen Tierversuche mit Makaken - hier ein Japanmakak. (© Sean Pavone / Fotolia.com)
Die Universität und ETH Zürich planen Tierversuche mit Makaken - hier ein Japanmakak. (© Sean Pavone / Fotolia.com)

Forscherinnen und Forscher vom Institut für Neuroinformatik der Universität und der ETH Zürich beabsichtigen, mit einer neu entwickelten Methode die Nervennetze im präfrontalen Cortex aufzuschlüsseln. Der präfrontale Cortex ist der Teil des menschlichen Gehirns, der für eine Vielzahl von kognitiven Fähigkeiten verantwortlich ist. Die Forschenden erhoffen sich damit wegweisende Ansätze für die Behandlung von psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Schizophrenie.

Rekurs gegen Tierversuche abgelehnt

Für die Studie seien Versuche an Affen unausweichlich. Deshalb reichten die Verantwortlichen im April 2014 bei der Zürcher Tierversuchskommission ein Gesuch ein, welches das Veterinäramt umgehend guthiess. Gegen diese Bewilligung wurde jedoch im August 2014 rekurriert. Der Regierungsrat hat jetzt den Rekurs abgewiesen und das Gesuch bestätigt, wie die Fakultäten gestern mitteilten. Gemäss Communiqué begrüssen die Universität und die ETH Zürich diesen Entscheid, der aber noch nicht rechtskräftig ist.

Tierversuche seien zu belastend

Gemäss Tages-Anzeiger ziehen drei Tierschutzvertretern – darunter die Stiftung Tier im Recht – in der Zürcher Tierversuchskommission einen Gang vors Verwaltungsreicht in Betracht. Sie sehen die Würde des Tieres verletzt und erachten die Versuche als zu belastend für die Primaten, wie der Tages-Anzeiger schreibt. Demgemäss würde bei den geplanten Tierversuchen der Schweregrad bei 3 liegen – der höchste Belastungswert für ein Versuchstier.

Tierexperimentelle Forschung folgt Regeln

An der Primatengattung Makaken wollen die Forschenden das Entscheidungsverhalten und die zugrundliegenden neuronalen Prozesse analysieren. Drei Primaten sollen dabei Verhaltensaufgaben vor einem Bildschirm lösen. Diese Aufgaben wendet man bereits beim Mensch zur Untersuchung von psychischen Erkrankungen an. Zeitgleich werde die Aktivität des präfrontalen Cortex’ gemessen und mit einem neuentwickelten Algorithmus untersucht. „Aufgrund der sehr ähnlichen Hirnstrukturen von Mensch und Affe können wir mit diesen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen auf die Abläufe im menschlichen Gehirn schliessen“, sagt Professor Valerio Mante, Leiter des Forschungsprojekts. Bei der tierexperimentellen Forschung stützt sich die Universität und die ETH Zürich auf ihre Policy „Replace, Reduce, Refine“.

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