«Roboter haben nie schlechte Laune»

Gepostet 27.01.2020, Ronny Arnold

Wie verändert die Digi­talisierung unsere Arbeits­welt? Ein Interview mit Karin Frick vom Gottlieb-Duttweiler-Institut.

YuMi steht für «you» and «me» und bedeutet «zusammen in die Zukunft der Automatisierung». YuMi ist der kollaborative Roboter von ABB. ZVG
YuMi steht für «you» and «me» und bedeutet «zusammen in die Zukunft der Automatisierung». YuMi ist der kollaborative Roboter von ABB. ZVG

Wer ist von der Digitalisierung besonders betroffen?
Karin Frick*: «Die Digitalisierung betrifft alle Branchen. Nicht nur die Mitarbeiter im Lager, auch Vorgesetzte können in Zukunft von Robotern und künstlichen Intelligenzen ersetzt werden. In China hat kürzlich ein humanoider Roboter die Arztprüfung bestanden. Roboter arbeiten nicht nur schneller und präziser als Menschen, sie haben auch keine schlechte Laune, brauchen keinen Schlaf und sie entscheiden rationaler.»

Werden Roboter also zum Jobkiller?
«Zuerst einmal befreien sie uns von Arbeiten, die langweilig, ermüdend und schädlich für die Gesundheit sind. Die entscheidende Frage ist, wem der Roboter gehört, der meinen ungeliebten Job übernimmt. Gehört das selbstfahrende Taxi mir und auch das Geld, das es verdient, oder einem globalen Unternehmen, das alle Einnahmen monopolisiert? Es geht vielmehr um die Verteilung der Einkommen als um die Verteilung der Arbeit.»

Welche Fähigkeiten sind von uns Menschen für die Zukunft gefragt?
«Die digitale Transformation steht noch ganz am Anfang, es gibt vorerst noch sehr viel Aufbauarbeit: Die intelligenten Maschinen müssen entwickelt werden und Wissen muss vernetzt werden. Wenn dann die Roboter und künstliche Intelligenzen dereinst immer mehr können und jeder sich einen digitalen Assistenten kaufen kann, so wie heute ein Smartphone oder einen PC, dann hängt der Erfolg in der Arbeitswelt vor allem davon ab, was man mit diesen smarten Universalwerkzeugen macht.»

Was kann ich als Einzelner machen, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein?
«Wer weiterkommen will, muss sich weiterbilden, dies wird sich in den nächsten Jahren kaum ändern. Smarte Assistenten werden uns aber zunehmend dabei unterstützen, die richtigen Angebote und den für uns besten Lernstil zu finden, Ziele zu setzen und Vorsätze einzuhalten.»

Entstehen auch neue Berufsbilder?
«Die wichtigsten Dinge, die in zwanzig Jahren das Leben bestimmen werden, sind noch gar nicht erfunden, daher ist auch schwer vorherzusagen, welche Fähigkeiten man dafür braucht. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass man Lehrer braucht, die digitalen Sprachassistenten Schweizerdeutsch beibringen? In Zukunft könnte es normal werden, dass man für jede Behandlung beim Arzt auch eine Zweitmeinung von einer Maschinenintelligenz einholt. Die Aufgaben innerhalb der heutigen Berufe werden sich ändern, wenn Fachleute immer enger mit Maschinen zusammenarbeiten.»

Wie weit ist die Schweizer Wirtschaft bereits «digitalisiert» worden?
«Es gibt heute bei uns kaum mehr ein Unternehmen, das ohne Computer arbeitet und keinen Internetanschluss hat. Doch die meisten Organisationen arbeiten immer noch isoliert, sie haben zwar wachsende Datensilos, aber noch keine digitalen, vernetzten Dienstleistungen, die die Bedürfnisse ihrer Kunden vorhersagen können.»

Welche neuen Technologien werden die Berufswelt noch nachhaltig prägen?
«Der Klimawandel ist heute die grösste globale Herausforderung, die sich der Menschheit stellt. Dadurch werden in den nächsten Jahrzehnten alle Technologien wichtiger, die helfen, die Folgen der globalen Erwärmung zu bekämpfen. Wenn man von den grössten Verursachern der CO2-Emissionen ausgeht, bedeutet dies, dass wir über die ganze Wertschöpfungskette bessere und smartere ‹Umwelt-Technologien› erfinden und einsetzen müssen.»

*Karin Frick, Head Research Gottlieb Duttweiler Institut

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