Massenaussterben beschäftigt Forschende

Gepostet 08.07.2016, Gabriel Aeschbacher

Die Erdgeschichte beweist, dass Massenaussterben keine Seltenheit sind. So verschwanden in Grönland vor rund 250 Million Jahren unzählige Meeresbewohner, aber auch zwei Drittel aller Reptilien und Amphibien. Vergleichbare Phänomene existierten in der Pflanzenwelt. Diese erholte sich aber, so dass heute wieder weitgehend ähnliche Bedingungen herrschen.

Wer forscht, der findet - auch im fernen Grönland! (© kichigin19/ Fotolia)
Wer forscht, der findet - auch im fernen Grönland! (© kichigin19/ Fotolia)

Forscher von Universität Zürich untersuchten während Jahren insgesamt über 400 Meter mächtige Ablagerungsgesteine, so genannte Sedimente, aus Nordost-Grönland. Kohlenstoff-Isotopenkurven lassen vermuten, dass innerhalb von wenigen Tausend Jahren die vorherrschenden Samenfarne und Nadelgehölze durch eine Vegetation von Sporenpflanzen abgelöst worden sind. Einige Sporenpflanzen – wie zum Beispiel Farne – sind dafür bekannt, dass sie lebensfeindliche Bedingungen unter gewissen Umständen gar deutlich besser überstehen können als höher entwickelte Pflanzen.

Massenaussterben gab es schon immer

Das Forschungsteam um Peter A. Hochuli und Hugo Bucher konnten das Massenaussterben aber nicht nur in Grönland, sondern verstreut über die ganze Welt beobachten. Hinweise gebe es auch von Sedimentproben im fernen Pakistan. Zudem würden aktuelle Datierungen vulkanischer Aschen von Wissenschaftlern zeigen, dass zum Beispiel in Australien die bedeutendste Veränderung der Pflanzenwelt erst einige Hunderttausend Jahre nach der Perm/Trias-Grenze über die Bühne gegangen seien. In dieser Periode seien die dort ansässige Samenpflanzengruppe der Glossopteriden komplett ausgestorben, sagen Hochuli und Bucher. Sie weisen auch darauf hin, dass diese Glossopteriden bisher dem Perm zugeordnet worden seien. Aufgrund dieser überraschenden Befunde müssen gemäss Universität Zürich die Sedimentabfolgen des Urkontinents Gondwanaland auf der Südhalbkugel nun neu interpretiert werden.

Ein ungelöstes Rätsel

Warum es in letzter Konsequenz zu dieser verheerenden Naturkatastrophe gekommen ist, bleibt für die involvierten Forscher im Moment noch nicht restlos geklärt. „Wir sehen allerdings einen Zusammenhang zwischen diesem Ereignis und den gewaltigen Vulkanausbrüchen, die aus der Unteren Trias des heutigen Sibirien bekannt sind“, mutmasst Hugo Bucher. Er ist Direktor des Paläontologischen Instituts und Museums der Universität Zürich. Und Peter A. Hochuli schiebt nach, „dass die gleichzeitig auftretenden, massgeblichen Veränderungen der Flora und die Zusammensetzung der Kohlenstoff-Isotope den Schluss nahe legen, dass der wirkliche Einschnitt in der Vegetation wahrscheinlich erst in der Unteren Trias – rund 500’000 Jahre später als bisher angenommen – stattgefunden hat.“

Dem Massenaussterben auf der Spur

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