Ihre Mission lautet: Gesunde Mitarbeitende am Arbeitsplatz

Gepostet 05.11.2021, Martina Tresch

Gesund am Arbeitsplatz – mit dieser Thematik beschäftigen sich immer mehr Betriebe. Gesundheitsmanager oder Fachverantwortliche Betriebliches Gesundheitsmanagement setzen genau hier an.

Nadine Schnüriger, Fachverantwortliche Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im Kantonsspital Uri, gibt einen Einblick in das Gesundheitsmanagement. Foto: zVg
Nadine Schnüriger, Fachverantwortliche Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im Kantonsspital Uri, gibt einen Einblick in das Gesundheitsmanagement. Foto: zVg

Mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit fahren. Eine Schulung für einen gesunden Rücken besuchen. Unterstützung erhalten, wenn eine Krankheit den Arbeitsalltag durcheinanderbringt. Was vielleicht simpel klingt, hat System, nämlich im Betrieb von Nadine Schnüriger. Die Urnerin ist als Fachverantwortliche im betrieblichen Gesundheitsmanagement tätig und setzt sich dafür ein, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesund bleiben. Wie aber kommt man dazu, «Gesundheit» als Beruf zu wählen? «Ich habe mich schon immer fürs Thema Mensch und die menschliche Psyche interessiert», erzählt die 30-Jährige. Während ihres Psychologiestudiums an der Universität Bern hat sie sich auch Arbeits- und Organisationspsychologie spezialisiert. Seit ihrem Masterabschluss ist Nadine Schnüriger Fachverantwortliche Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) am Kantonsspital Uri und ist ausserdem Projektleiterin Kommunikation.

Viele Wege führen zur Gesundheitsmanagerin

Der Weg ins Gesundheitsmanagement kann sehr unterschiedlich sein, die Möglichkeiten sind vielseitig: So bietet die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW das Bachelorstudium Gesundheitsförderung und Prävention an. «Es handelt sich dabei um einen interdisziplinären Studiengang mit Disziplinen wie Gesundheitswissenschaften, Epidemiologie, Psychologie oder Kommunikation», erläutert Studiengangleiterin Karin Nordström. Der Studiengang wird in Vollzeit und in Teilzeit angeboten und richte sich an Studierende in verschiedenen Lebenssituationen. Absolventinnen und Absolventen seien in kantonalen und nationalen Behörden, wie dem Gesundheitsamt, an Schulen, oder bei Stiftungen aber auch in Firmen tätig.

Empfohlene Angebote

Wie Karin Nordström feststellt, ist das Thema Gesundheit in unserer Gesellschaft sehr gegenwärtig.  «Das kann auch schwierig sein, weil es Krankheit stigmatisiert. Damit meine ich, dass es je nach dem zu einer Belastung wird, krank zu sein, respektive dass gesundheitsschädliche Verhaltensweisen sozial belastet werden.» Unser Gesundheitssystem befasse sich nach wie vor stark mit dem Heilen, statt dem Vorbeugen von Erkrankungen. Zudem seien gewisse Krankheiten noch immer sehr tabubelegt, etwa psychische Krankheiten. Gesundheitsförderung setze genau hier an – sie biete ein Umfeld, das gesundheitsfördernd sei. «Es geht darum, Menschen zu informieren, zu befähigen und zu beteiligen. Empowerment und Partizipation sind darum in der Gesundheitsförderung grundlegende Ziele», so Karin Nordström.

Ein gesundes Arbeitsklima

Was aber genau tut ein Gesundheitsförderer oder eine BGM? Nadine Schnüriger gibt einen Einblick in ihre Tätigkeit: «In meiner Position habe ich eine lenkende Funktion, ich erarbeite einen mehrjährigen Massnahmenplan.» Konkret hat sie Massnahmen erarbeitet, die dazu beitragen, dass sich die Mitarbeitenden in einem gesunden Arbeitsklima wiederfinden. «Wir bieten ein breites Fortbildungsprogramm, in dem sich die Mitarbeitenden etwa mit den Themen gesunde Ernährung oder Selbstmanagement auseinandersetzen können.» Auch sieht sich das Kantonsspital Uri als «Velo-Spital». Soll heissen: Es stehen spätestens mit dem Neubau genügend und gut lokalisierte Veloabstellplätze und Ladestationen für E-Bikes zur Verfügung. Ausserdem werden den Mitarbeitenden schon heute verschiedene Aktionen zur Veloförderung, wie etwa ein kostenloses Velo, angeboten. «Auch befassen wir uns mit dem systematischen Absenzenmanagement, also wir begleiten und unterstützen unsere Mitarbeitenden, wenn sie krankheits- oder unfallbedingt ausfallen.» Weitere Massnahmen wie ein Fitnessraum oder Rückzugsraum für Mitarbeitende, die mit dem Spitalneubau realisiert werden sollen, seien in der Planung, verrät die Urnerin. 

Andere Unternehmen sollten nachziehen

Dass solche Massnahmen tatsächlich etwas bringen, hat das Kantonsspital Uri bereits zu spüren bekommen. «Regelmässige Mitarbeiterbefragungen haben gezeigt, dass die getroffenen Massnahmen sehr gut angekommen sind und auch von den Mitarbeitenden wahrgenommen werden.» freut sich die Verantwortliche. Ein weiteres positives Zeichen: Die Kurzabsenzen-Absenzen konnten in einigen Bereichen massiv minimiert werden, berichtet Nadine Schnüriger. «Diese Erkenntnisse haben uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», so Nadine Schnüriger. Ein Weg, den definitiv auch andere Unternehmen einschlagen sollten, findet sie: «Jeder Betrieb möchte möglichst gute Mitarbeiter. Es ist wichtig, dass Unternehmen auch etwas dafür tun.» Man könne auch im kleinen Rahmen anfangen, etwa, dass man hinschaue, wenn eine Person öfters ausfalle. – Und was kann jeder und jede einzelne tun, um gesund zu bleiben? «Sensibilisierung und Bewusstsein im Alltag können schon einiges bewirken», sagt Nadine Schnüriger. Die Treppe, statt den Lift benützen, auf eine gesündere Ernährung achten, soziale Kontakte pflegen oder Belastungen direkt thematisieren. «Vieles in meinem Job dreht sich ums Thema Achtsamkeit – und das betrifft uns letztlich alle.»

Tipps für mehr Gesundheit am  Arbeitsplatz

  • Treppe benützen anstelle des Lifts
  • Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren
  • Auf eine gesunde Ernährung achten
  • Probleme ansprechen, über Absenzen sprechen
  • Soziale Kontakte pflegen
  • Weiterbildungskurse besuchen
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