Zeitgenössischer Tanz an der ZHdK

Gepostet 24.04.2014, Bruno Manz

Ab Herbst 2014 beginnt an der Hochschule der Künste in Zürich (ZHdK) ein neuer Bachelor. Unter der Leitung von Samuel Wuersten wird neu Zeitgenössischer Tanz unterrichtet. Ein Beitrag aus dem "Tages-Anzeiger".

Vierzehn Frauen und ein Mann bewegen sich im Takt des Klaviers. Alle haben eine Nummer auf der Brust. Eine Tanzpädagogin studiert mit ihnen eine kurze Choreografie ein. Alles Englisch, alles sehr schnell. Dabei beobachten die Juroren jede Bewegung. Am Tag davor fanden sich im Tanzsaal des Theaters der Künste an der Sihl 30 Bewerberinnen und Bewerber zur Audition ein. 15 von ihnen sind ihrem Ziel näher gekommen, im Herbst in den neuen Bachelor Contemporary Dance an der Zürcher Hochschule der Künste aufgenommen zu werden.

Samuel Wuersten ist einer der Juroren. Der Berner Tänzer, Choreograf und Tanzpädagoge wird für die nächsten drei Jahre der künstlerische Leiter des neuen Bachelors sein. Als langjähriger Co-Rektor von Codarts (Kunstfachhochschule Rotterdam) und Direktor des Holland Dance Festival blickt er auf eine internationale Erfahrung im Bereich Tanzausbildung. Tanz sei ein Lebensgefühl, Entwicklung und Veränderung, Struktur und Freiheit. Aber Tanz brauche Ausbildung – und: «Tanz braucht Talent», sagt Wuersten.

Überraschend hohes Niveau

Diese Talente will er in Zürich finden. Das Niveau der Schweizer überrascht den Tanzpädagogen. Das ideale Alter, sich tänzerisch an der ZHdK auszubilden, liegt bei 18 und 19 Jahren. Nach erfolgter Ausbildung sind die Tänzer 21 oder 22 Jahre alt, ein gutes Alter, um Profi zu werden. Mit viel Talent könne man auch später beginnen. «Wie im Leben führen auch im Tanz viele Wege nach Rom», sagt Wuersten.

Sechs von fünfzehn Plätzen, die diesen Herbst an der ZHdK angeboten werden, sind nach der ersten Audition vergeben. Zwei der Studentinnen sind Chloé Granges und Andrea Schlatter. Chloé Granges (19) aus Martigny tanzt seit 13 Jahren. Das Tanzstudio ist für sie ein heiliger und besonderer Ort. Ihr war klar: «Will ich die Aufnahmeprüfung bestehen, muss ich hart arbeiten.» Noch während der Matur feilte die junge Walliserin an ihrer Technik.

Ungewisse Zukunft

Chloé weiss, dass professioneller Tanz kein Schleck ist. Auch sie hat bereits mit 19 Rückenschmerzen. Manchmal fragt sie sich, ob sich das alles lohnt, wenn eine Karriere doch bis höchstens 40 dauert. «Der Tanz gibt mir Zugang zu einer Parallelwelt, in der alles erlaubt ist.» Die ungewisse Zukunft nimmt Chloé gelassen: «Ich werde tanzen, solange ich kann, dann sehe ich weiter.» Mit der Matur im Sack könne sie immer noch Medizin studieren.

Auch Andrea Schlatter (19) hat viel Energie in den Tanz gesteckt. Seit ihrem zehnten Altersjahr steht die Bernerin «unglaublich gerne auf der Bühne». Zurzeit besucht sie einen Intensivjahreskurs in Contemporary Dance in Bern, zwölf Trainings pro Woche. Die Audition für den neuen Bachelor fand sie «anspruchsvoll, aber nicht unbezwingbar». Das Schwierigste war, konzentriert zu bleiben. Hinterher wurde ihr klar, dass es nicht darum ging, alles perfekt zu tanzen, sondern die eigene Persönlichkeit zu zeigen. Der Tanz, findet Andrea, sei zwar ein «schwieriges und instabiles Berufsfeld», er biete aber auch viele spannende und kreative Seiten.

Das Zürcher Modell der neuen Tanzausbildung setzt nicht einzig auf die Bühnenpräsenz. Der Grundgedanke der ZHdK-Ausbildung ist, «dass Tänzerinnen und Tänzer sich nicht nur auf der Bühne bewegen, sondern dass sie auch Tanz vermitteln oder sich auf dem Gebiet der Choreografie bewegen können», hält Samuel Wuersten fest. Denn die Erfahrung habe gezeigt, dass besonders die vielseitig einsetzbaren Tänzerpersönlichkeiten gefragt seien, so Wuersten.

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