«Der Wirtschaft fehlen Datenprofis»

Gepostet 06.11.2020, Ronny Arnold

Daten sind der Rohstoff der Zukunft. Doch um die Daten richtig zu interpretieren braucht es ausgebildete Datenwissenschaftlerinnen und Datenwissenschaftler. Diese sind momentan noch rar. Wir zeigen, welche Ausbildung dies ändern soll.

Die Bandbreite an möglichen Berufsfeldern für zukünftige Data Scientists ist gross. Foto: Unsplash
Die Bandbreite an möglichen Berufsfeldern für zukünftige Data Scientists ist gross. Foto: Unsplash

Egal ob Banken, Versicherungen, Handelshäuser, Industrie oder gar Fussballklubs: Überall werden Daten gesammelt, ausgewertet und die Erkenntnisse davon umgesetzt. Doch die Datenmenge ist so unfassbar gross, dass es dafür Spezialisten braucht, um die Daten auch richtig zu interpretieren. Diese Spezialisten werden Data Scientist genannt. Ein Data Scientist oder eben Datenwissenschaftler ist dafür zuständig, aus unstrukturierten Rohdaten eine strukturierte Datenbasis zu schaffen, diese anschliessend zu analysieren und am Ende mit dem betriebswirtschaftlichen Knowhow eine Entscheidungsgrundlage für ein Unternehmen oder eine Organisation zu schaffen. «Die Anzahl der Firmen und Organisationen die Daten analysieren und zukünftige Entscheidungen anhand von Daten fällen, nimmt jedes Jahr zu. Ich wage zu behaupten, dass in Zukunft keine Organisation mit einer gewissen Grösse daran vorbeikommt», sagt Rocco Custer, Studiengangleiter des Bachelor of Science in Data Science an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

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Daten spielen logischerweise auch die entscheidende Rolle in der Digitalisierung. So sind sie die Grundlage für Künstliche Intelligenz und somit der Rohstoff der Zukunft. Gesundheits-Tracker, Einkaufsverhalten, Wetter, Sportresultate, Verkehrsflüsse, Videos und vieles mehr: Die Verfügbarkeit von Daten in allen Formen und Bereichen nimmt schnell zu und bringt laufend neue Möglichkeiten, Wissen zu gewinnen, Veränderungen herbeizuführen und Prozesse zu automatisieren. Die Entwicklung ist rasant und wird in Zukunft noch viel Neues bringen. Bei so vielen Möglichkeiten stellt sich auch die Frage nach dem Datenschutz. Rocco Custer von der FHNW dazu: «Data Scientist haben wichtige Werkzeuge, um die Zukunft zu gestalten. Mit grossem Können kommt auch grosse Verantwortung, deshalb lernen unsere Studierenden auch ethisch und rechtlich korrekt mit Daten und Künstlicher Intelligenz umzugehen.»

Die Bandbreite an möglichen Berufsfeldern für zukünftige Data Scientists ist gross. Und auch die Jobchancen sind hervorragend, denn momentan ist das Problem, dass der Bedarf schneller wächst als die vorhandenen Data Scientists. Da kommt der Bachelor Studiengang «Data Science» ins Spiel. Gesucht sind neugierigere und selbstmotivierte Personen, die gerne Probleme lösen und zudem keine Angst vor Mathematik und Programmierung haben. Der Studiengang an der FHNW ist so aufgebaut, dass dort und dann gelernt werden kann, wo man gerade will. «Beim Studium müssen kaum noch Vorlesungen besucht werden, dafür bekommen die Studierenden Zutritt zu unserer Online-Bibliothek mit Lernvideos, Texten und Aufgaben, mit denen sie sich das Wissen des Data Scientists aneignen können. Studierende sind flexibel,  aber keinesfalls auf sich alleine gestellt: Dozierenden stehen den Studierenden zur Verfügung um Frage zu beantworten und Herausforderungen zu besprechen», erklärt Rocco Custer und ergänzt: «Mit Wissen allein kommen die Studierenden aber nicht weit, Sie müssen anwenden können. Deshalb wird ab dem ersten Semester das gewonnene Wissen direkt an praxisnahen Fragestellungen und in interdisziplinären Gruppen-Projekten angewendet.» Zusätzlich werden alle Studierenden von einem eigenen Coach betreut und unterstützt. Rocco Custer ist überzeugt: «Mit einer Ausbildung als Data Scientist wird die Basis für eine spannende und erfolgreiche Karriere gelegt.»

Die Welt der Daten

Gemäss einem Artikel von PwC liegt die weltweit gespeicherte Datenmenge in diesem Jahr bei zirka 54 Zettabytes und bis 2025 wächst diese Zahl auf 175 Zettabytes. Ein Zettabyte ist eine Eins mit 21 Nullen, oder anders gesagt: Pro Kopf werden im Jahr 2020 sechs Terabyte an Daten gespeichert sein – das entspricht der Textmenge von drei Millionen Büchern für jeden Erdenbürger.

90 Prozent dieser unvorstellbar grossen Datenmenge wurden allein in den letzten zwei Jahren erzeugt. Big Data wird immer schneller immer grösser: Jeden Tag werden 2,5 Trillionen neue Bytes generiert. Jede Minute werden 188 Millionen E-Mails verschickt, 18 Millionen Textnachrichten gesendet, 4,5 Millionen YouTube-Videos geschaut, 700 000 Netflix-Filme «gestreamt», 280 000 Instagram-Posts veröffentlicht und 4,6 Millionen Google-Suchanfragen durchgeführt.

Quelle: PwC

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